BERUFSRECHTLICHE VERFAHREN

Das Berufsrecht der sog. freien Berufe – Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – ist geprägt von staatlicher Aufsicht einerseits und eigenverantwortlicher Selbstverwaltung der jeweiligen Berufskammern andererseits.

Das darin angelegte Spannungsverhältnis bringt die Besonderheit mit sich, dass die Berufsaufsicht und Ahndung vermeintlicher berufsrechtlicher Verstöße in leichten Fällen durch die Kammern und in schweren durch die staatlichen Gerichte ausgeübt wird. In letzterem Fall sind spezielle Spruchkörper an den ordentlichen Gerichten zuständig. Das Verfahren folgt den Regeln des Strafverfahrensrechts.

Für andere (nicht ahndende) berufsrechtliche Maßnahmen der Kammern – wie z.B. die Anordnung einer Sonderprüfung – ist der Weg zu den Verwaltungsgerichten eröffnet. Das dortige Verfahren folgt den Regeln der Verwaltungsgerichtsordnung, gewährt aber dem Betroffenen keine der Strafprozessordnung vergleichbaren Verteidigungsrechte.

Fast jedes berufsrechtliche Verfahren belastet den Betroffenen emotional, weil es allzu oft um die wirtschaftliche Existenz zu gehen scheint. Die Anwendung strafprozessualer Regeln wird – trotz aller Vorzüge gegenüber dem Verwaltungsverfahren – zudem als stigmatisierend empfunden.

Berufsrechtliche Verfahren bergen auch zivilrechtliche Folgerisiken. Es drohen Schadenersatzforderungen durch den Mandanten und ggf. auch von dritter Seite (z.B. Anleger). Im schlimmsten Fall können berufsrechtliche Verstöße sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen – z.B. mit Blick auf die Bilanzdelikte.

All diese Aspekte gilt es im Auge zu behalten. Deshalb setzt eine qualifizierte Beratung nicht nur ein hohes Maß an juristischer Sachkenntnis, sondern auch praktischer Erfahrung voraus. Denn nur diese versetzt den Berater in die Lage abzuschätzen, ob eine kämpferische Herangehensweise, ggf. durch alle Instanzen, lohnend erscheint, oder durch Kompromissbereitschaft ein schneller und erträglicher Abschluss des Verfahrens herbeigeführt werden sollte. Ehrlichkeit mit dem Mandanten und ein klarer Blick für das Machbare sind zudem unabdingbare Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle Vertretung in berufsrechtlichen Verfahren. Ein guter Kompromiss muss keinesfalls als Niederlage verstanden werden. Schon die Abschwächung einer Formulierung im Bescheid der Kammer kann bisweilen Folgerisiken ganz oder teilweise ausschließen und in diesem Fall als Erfolg gelten.

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